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GEO ohne SEO? Eine teure Illusion, die gerade auf Meta Ads verkauft wird

Es ist gerade ein bisschen wie Goldgräberstimmung. In den Meta-Feeds tauchen sie überall auf: neue „GEO-Agenturen“, die mit aufgeregter Stimme erklären, dass SEO tot sei. Generative Engine Optimization sei jetzt das neue Spiel. ChatGPT, Perplexity, Gemini – das seien die Suchmaschinen der Zukunft, und wer jetzt nicht schnell schalte, sei in zwölf Monaten unsichtbar. Praktischerweise hat die Agentur, die diese Botschaft verkündet, auch direkt das passende Paket dabei.

Ich finde diese Entwicklung aus zwei Gründen interessant. Erstens, weil sie zeigt, wie schnell unsere Branche eine neue Sau durchs Dorf treibt. Und zweitens, weil sie auf einem fundamentalen Missverständnis darüber basiert, wie diese KI-Systeme eigentlich funktionieren.

Woher nimmt die KI eigentlich ihre Empfehlungen?

Stellen wir uns die Frage einmal in aller Ruhe: Wenn ChatGPT, Perplexity oder Gemini auf die Frage „Welche Kreativagentur in München kannst du mir empfehlen?“ eine Liste von Unternehmen ausspuckt – woher kommt diese Liste eigentlich?

Sie kommt nicht aus dem Nichts. Sie wird nicht erfunden. Und sie wird auch nicht durch geschicktes „Prompten“ erzeugt.

Die Daten kommen aus dem Web. Aus Crawls. Aus Google-Indizes. Aus Branchenverzeichnissen. Aus Fachartikeln. Aus Bewertungsplattformen. Aus Pressemitteilungen. Aus Blogbeiträgen. Aus all dem, was sich Unternehmen über Jahre aufgebaut haben – an Marke, an Reputation, an Sichtbarkeit, an organischer Auffindbarkeit.

Mit anderen Worten: Die KI empfiehlt das, was sie an Signalen findet. Und diese Signale entstehen nicht in der KI selbst. Sie entstehen im klassischen Web.

Wenn ein Unternehmen über Jahre saubere SEO-Arbeit gemacht hat, regelmäßig hochwertige Inhalte produziert, eine starke Domain-Autorität aufgebaut, positive Bewertungen gesammelt und sich in relevanten Verzeichnissen, Fachmagazinen und Branchenpublikationen platziert hat – dann taucht es auch in den KI-Antworten auf. Wenn nicht, dann nicht. So einfach ist das.

Die Behauptung „SEO ist tot“ ist eine Verkaufsmasche

Wer behauptet, man könne SEO jetzt einstellen und stattdessen nur noch auf GEO setzen, hat entweder die Mechanik nicht verstanden – oder verkauft bewusst Schlangenöl. GEO ist keine Alternative zu SEO. GEO ist eine Erweiterung von SEO. Es ist eine zusätzliche Disziplin, die auf einer fundierten SEO-Basis aufbaut. Ohne dieses Fundament gibt es nichts, was eine KI empfehlen könnte.

Das ist im Übrigen auch der Grund, warum die neuen GEO-Agenturen so aggressiv über Meta Ads werben müssen. Wer wirklich gute organische Sichtbarkeit aufbauen kann, der zeigt das in der Regel zuerst an sich selbst. Wer dagegen Performance-Marketing braucht, um überhaupt gefunden zu werden, der hat genau das Problem, das er angeblich für seine Kunden lösen will.

Was wir bei unseren Kunden gerade beobachten

Bei Sixrooms sehen wir aktuell ein spannendes Phänomen. Die Website-Zugriffe vieler Kunden steigen – obwohl ihre Präsenz in ChatGPT, Perplexity & Co. noch gar nicht so weit fortgeschritten ist, wie es die GEO-Verkäufer suggerieren würden.

Woran liegt das? Vermutlich an einem Effekt, der in der ganzen GEO-Diskussion gerne übersehen wird: Menschen klicken nicht einfach blind auf das, was ChatGPT ihnen vorschlägt. Sie verifizieren. Sie googeln den Namen, den die KI genannt hat. Sie öffnen die Website in einem normalen Browser. Sie schauen sich Bewertungen an. Sie prüfen die Referenzen.

Das heißt: Die Empfehlung der KI ist oft nur der Trigger. Die eigentliche Kaufentscheidung passiert weiterhin im klassischen Web – auf der Website, in Google, in Bewertungsportalen. Und das wiederum bedeutet: Wer dort nicht überzeugend auftritt, verliert den Kunden, selbst wenn die KI ihn empfohlen hat.

Das ist die unbequeme Wahrheit, die in der GEO-Euphorie untergeht: Die KI öffnet vielleicht die Tür. Aber durch die Tür gehen muss die Marke selbst – mit einer professionellen Website, mit klaren Botschaften, mit nachvollziehbarer Expertise, mit echten Referenzen. Und genau das ist klassisches Marken- und Webhandwerk. Das ist SEO. Das ist Content. Das ist Branding. Das ist UX.

Was wirklich funktioniert

Wer in einer KI-gesteuerten Suchwelt sichtbar sein will, kommt um die Basics nicht herum:

Eine technisch saubere Website mit klarer Struktur und schnellen Ladezeiten. Hochwertige, fachlich fundierte Inhalte, die echte Probleme von echten Zielgruppen lösen. Eine starke Domain mit nachgewiesener Autorität in ihrem Themenfeld. Konsistente Markenführung über alle Kanäle hinweg – Website, Social Media, Branchenverzeichnisse, Fachpublikationen. Authentische Bewertungen und Referenzen, die für sich sprechen. Strukturierte Daten, damit Maschinen verstehen, worum es eigentlich geht.

Auf diesem Fundament kann GEO funktionieren. Dann kann man anfangen, sich gezielt für KI-Sichtbarkeit zu optimieren – mit Entity-Strukturen, mit Themenautorität, mit den richtigen Erwähnungen an den richtigen Stellen. Aber eben als nächste Stufe, nicht als Ersatz.

Der ehrliche Blick nach vorn

Die Wahrheit ist: Niemand weiß genau, wie sich Suche in den nächsten drei bis fünf Jahren entwickeln wird. Vielleicht werden ChatGPT und Perplexity tatsächlich zu dominanten Einstiegspunkten. Vielleicht behält Google seine Stellung. Vermutlich wird es ein Nebeneinander geben, in dem beide Welten ineinandergreifen.

Sicher ist nur: Die Unternehmen, die jetzt panisch auf einen schnellen GEO-Trick setzen und ihre SEO-Aktivitäten zurückfahren, werden in beiden Welten verlieren. Denn die Daten, auf die jede KI angewiesen ist, müssen irgendwo herkommen. Sie erfindet man nicht. Sie promptet man nicht. Man baut sie sich auf – über Jahre, mit Geduld, mit Strategie, mit echtem Handwerk.

Wer eine starke SEO-Performance aufgebaut hat, hat in einem KI-Umfeld die besten Karten. Wer keine hat, dem wird auch GEO nichts nützen.

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